Zum Hauptinhalt springen

28. Bundeskongress der Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur 04.-06. April in Berlin

Erstellt von Felix Heinz Holtschke | | Aktuelles | #versammlung #wichtig

Sehr geehrte Herr Dr. Grünbaum, sehr geehrter Herr Ebert als Gastgeber, liebe Frau Zupke als unsere SED-Opferbeauftragte, liebe Kameradinnen und Kameraden der SED-Opfer- und Verfolgtenverbände, es ist mir eine große Ehre, aber auch Verpflichtung, heute anlässlich meiner Erstteilnahme an diesem bereits 28. Bundeskongress vor Ihnen sprechen zu dürfen.

Obwohl seit September 2001 Mitglied der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, ist dieses wichtige Treffen leider bisher an mir vorbeigegangen, vielleicht auch deswegen, weil  in den Alten Bundesländern kein Beauf-tragter zur Aufarbeitung der SED installiert worden ist.

Trotzdem haben auch wir, der Landesverband und die noch bestehenden Reste der Bezirksverbände in Nordrhein-Westfalen, seit Jahrzehnten gegen die Verharmlosung der 2. Deutschen Diktatur und für die Rechte der Opfer des SED-Regimes gekämpft, in den letzten Jahren auch mit Unterstützung der NRW-Landesregierung, die uns ihren Beauftragten für die Belange von deutschen Heimatvertriebenen, Aussiedlern und Spätaussiedlern namens Heiko Hendriks zur Seite gestellt haben.

Und wie wir seit dem 30. Januar wissen, hat sich unser Kampf gelohnt, an dessen Spitze stets unsere liebe Evelyn Zupke als SED-Opferbeauftragte mit ihrem Team und unser Dachverband, die UOKG mit Dieter Dombrowski als Vorsitzender stand und steht!

Eine erhöhte und dynamisierte Ehren-  anstelle einer Opferrente, Wegfall der Bedürftigkeitsprüfung, eine deutliche Entschädigung von Zwangs-ausgesiedelten in Höhe von 7.500 € sowie Vereinfachungen bei der Anerkennung von verfolgungsbedingten posttraumatischen Gesund-heitsschäden seien an dieser Stelle besonders hervorgehoben.

Damit ist ein wesentliches Ziel unseres Kampfes für ideelle und materielle Anerkennung und Rehabilitation für erlittenes Unrecht in der unter-gegangenen DDR erreicht.

Wir von der VOS betrachten das Erreichte jedoch nur als Zwischenziel. Denn so lange es den ehemaligen Systemträgern des Unrechtsstaates DDR materiell besser geht als uns, muss unser Kampf weitergehen.

Und es ist kein Geheimnis, dass die ehemaligen Stasi-Leute und SED-Funktionäre eine deutlich höhere Rente beziehen als deren Opfer.

Allein aus diesem Grunde bestehen wir nach wie vor auf eine konstruktive Antwort auf unsere seit April 2018 anhängige Beschwerde-Petition von UOKG, IEDF und VOS beim Petitionsausschuß des Deutschen Bundes-tages zum Fremdrenten-Unrecht.

Eine nunmehr 7jährige Wartezeit auf eine konstruktive Antwort einschließ-lich eines politischen Lösungsvorschlages für die nicht legitimierte Renten-kürzung gegenüber ehemals aus der DDR Geflüchteten, Ausgereisten und freigekauften politischen Häftlingen durch eine missbräuchliche Anwendung des Rentenüberleitungsgesetzes (RÜG) auf den vorgenannten Personen-kreis ist ein eindeutiger Rechtsbruch und eine unentschuldbare, undemo-kratische Demütigung gegenüber den Betroffenen.

Genauso unerträglich wie diese Ignoranz gegenüber unseren berechtigten Forderungen angesichts hundertfacher diesbezüglicher Proteste bei den Partei- und Regierungsspitzen in den vergangenen Legislaturperioden betrachten wir als Opfer des SED-Regimes auch die Eröffnungsrede des letzten SED-Vorsitzenden der untergegangenen DDR als Demütigung, ja Provokation!

Desweiteren treten wir nachdrücklich nach wie vor auch für die Entschlüs-selung der noch immer in ca. 13.000 Säcken Gott sei dank aufbewahrten, jedoch geschredderten  Stasi-Geheimunterlagen ein, denn wir wollen insbesondere wissen, wer die Verräter an der freiheitlich demokratischen Grundordnung hier im freien Westen waren.

Bei einem vom Wahlsieger entgegen dem Wahlversprechen trotzdem aufgenommenen Sondervermögen von fast 1 Billionen €  müssen doch die dafür erforderlichen Forschungsmittel für vielleicht eine KI-Lösung problemlos bereitgestellt werden können, oder?

Liebe Freunde, da mir von der Veranstaltungsleitung eine Redezeit von nur 4 Minuten zugebilligt worden sind, möchte ich am Ende meines Vortrages 
ein paar notwendige Worte in eigener Sache, nämlich über die aktuelle Situation bei der VOS vortragen, und dies insbesondere an die hier anwesenden VOS-Kameraden:

Nach dem Rücktritt des bisherigen VOS-Bundesvorsitzenden Hugo Diederich zum 31.12.2024 spreche ich heute zu Ihnen/ zu Euch als Stellvertretender bzw. kommissarischer Bundesvorsitzender der ältesten SED-Opferorganisation, gegründet vor nunmehr über 75 Jahren am  09.Februar 1950, also nur wenige Wochen älter als ich selbst.

May-Britt Krüger, unsere Schatzmeisterin und zweite Stellvertreterin im Bundevorstand und ich haben sich diese Situation nicht gewünscht, aber wir sehen die Verpflichtung, das VOS-Schiff nicht untergehen zu lassen, erst recht nicht im Jahre unseres  stolzen Jubiläums.

Für die 16jährige Tätigkeit als nunmehr geschiedener Bundesvorsitzender möchten wir vorab an dieser Stelle unserem jetzigen Landesvorsitzenden für das Land Berlin Hugo Diederich ausdrücklich dafür Dank sagen , dass er  das VOS-Schiff so lange Jahre erfolgreich steuerte und teilweise auch durch stürmische Gewässer führen musste.

Wie soll es nun aber weitergehen mit der VOS?

Wenn die Mehrheit der Mitglieder hier und heute und nach Studium der neuen Satzung keine Auflösung des Vereins fordert, werden wir, May-Britt und ich, mit Eurer Unterstützung so zügig wie möglich Neuwahlen des Bundesvorstandes, und zwar  per Briefwahl organisieren. Dem ist bei realistischer Betrachtung vorausgesetzt worden, dass wir altersbedingt lt. alter Satzungsbestimmung keine Generalversammlung auf Delegiertenbasis mehr organisiert bekommen. Sollte dies jedoch eine Fehleinschätzung des Bundesvorstandes sein, lasst es uns umgehend wissen!

Die hierfür erforderliche Satzungsänderung wurde vorgenommen. Der Neu-Entwurf der VOS-Satzung ist dem Mittelteil der aktuellen Freiheitsglocke beigelegt. Bitte teilt uns ggf. Änderungs- sowie Ergänzungsvorschläge mit, sofern gravierende Defizite festzustellen sind!

Die Satzung gilt als von den Vereins-Mitgliedern beschlossen, sofern mehrheitlich keine gegenteiligen Stellungnahmen bei uns eingehen.

Sodann wird der amtierende Bundesvorstand die Briefwahl des neuen Bundesvorstandes organisieren. Von dieser Stelle aus rufe ich noch einmal hier in das Auditorium, aber auch in das weite Land: Wer ist bereit, wer stellt sich für die Mitarbeit im Bundesvorstand oder für die Verbandsführung der stolzen VOS zu Verfügung?

Bitte meldet Euch hier an diesem Wochenende persönlich bei mir und/ oder May-Britt oder telefonisch, damit wir den Verein auch zukünftig erfolgreich weiterführen können.

Die zukünftige Vereinsarbeit wird sich maßgeblich in der Freiheitsglocke und auf unserer Internetseite widerspiegeln, die hierfür dringend moderni-siert und für jedermann zugänglich gestaltet werden muss und auch wird!

Das Vereinsleben kann, so die weniger optimistische Botschaft hier und heute, nicht mehr zentral, sondern altersbedingt nur noch örtlich im kleinsten Kreise gepflegt oder medial über unsere Homepage oder die Freiheitsglocke weiterentwickelt bzw. abgebildet werden. 
Ich bitte Euch, diese Realitäten zu akzeptieren und den hierfür erforder-lichen Pragmatismus insbesondere bei der Vorstandsarbeit mitzutragen. Es gibt für unseren alten, aber umso mehr stolzen Verein kaum eine andere oder gar bessere Alternative mehr, will er noch ein paar Jahre am Leben bleiben ! Und dies organisatorisch eingebettet in die wirkmächtige Dachorganisation UOKG!

Und an dieser Stelle sollte auch unsere für die Demokratieerziehung der jungen Generation so eminent wichtige Zeitzeugenarbeit nicht unerwähnt bleiben, die ohne funktionierende Verbandssstruktur zukünftig nicht förderungsfähig durch die Stiftung Aufarbeitung wäre.

Und trotzdem sollten wir noch einmal eine schöne Gemeinsamkeit wagen! Unser 75. Gründungsjubiläum muss doch irgendwie gefeiert bzw. nachgefeiert werden. Der 35. Jahrestag der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten rund um den 3. Oktober könnte hierfür einen würdigen Rahmen bilden! 
Der amtierende Bundesvorstand versucht, für eine zentrale Jubiläumsfeier seiner noch mobilen Mitglieder die dafür erforderlichen finanziellen Mittel zu organisieren. Wenn uns das gelingt, werden sich viele von uns vielleicht im Herbst persönlich wiedersehen und gemeinsam im persönlichen Gespräch auf eine bewegte Zeit zurückblicken können. Wir alle hätten es verdient.

An dieser Stelle danke ich den hier anwesenden Kameradinnen und Kameraden der übrigen Nicht-VOS-Organisationen für Ihr Verständnis, dass ich sie zwangsläufig in die Vereinsproblematik der VOS hineinversetzt habe.

Aber ich verspreche, dass wir von der VOS beim 29. Bundeskongress, wo auch immer er stattfinden mag, auch bei anderen Vereinen mit unvermeid-lich gleicher Problematik, artig zuhören werden!

Ich wünsche allen Teilnehmern und Verantwortlichen dieser Veranstaltung noch einen konstruktiven und erfolgreichen Verlauf!
Den fleißigen Organisatoren gilt an dieser Stelle mein besonderer Dank!

Danke für Eure/ Ihre  geschätzte Aufmerksamkeit!

Felix Heinz Holtschke
Kommissarischer VOS-Bundesvorsitzender
Berlin, den 05.April 2025 

Zurück
Bild: Rede von Felix Heinz Holtschke
Rede von Felix Heinz Holtschke auf dem 28. Bundeskongress zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und der Folgen der kommunistischen Diktatur am 05. April 2025 in Berlin. Sie konnte aus Zeitgründen nicht vollständig vorgetragen werden.